Im Jahr 2016 erfasste die „Polizeiliche Kriminalstatistik“ 47401 Fälle von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Davon gehören 7919 Fälle in die Kategorie „Vergewaltigung und sexuelle Nötigung“.
Das sind allerdings nur Fälle, die der Polizei gemeldet wurden. Die Dunkelziffer ist noch viel höher.

Mit einer vollen Einkaufstüte in der Hand und einer „to-do“- Liste im Kopf, ging Tamara vom Einkaufen nach Hause. Für gewöhnlich ging sie abends nur in Begleitung raus, da ihr fürsorglicher Freund dies als sicher empfand.
Aber an diesem Tag hat Tamara auf die Einkaufsbegleitung verzichtet.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sah sie eine Person unter einer Laterne stehen und sie beobachten.
Intuitiv nahm sie einen Kopfhörer aus dem Ohr und ging weiter Richtung Wohnung.
Kurz vor der Haustür angekommen, drehte sie sich nochmal um und sah, wie die Person, die vorher unter der Laterne stand, in ihre Richtung rannte.
Es war gar nicht genug Zeit, um im Wohnhaus zu verschwinden, als sie von dem jungen Mann, angesprochen wurde.
Zu Beginn des Gespräches war sie noch misstrauisch, aber dann erklärte der Mann ihr, er wolle gar nichts Böses und arbeite im öffentlichen Dienst. Er fragte sie, ob ihr irgendwelche ungewöhnlichen Dinge in der Gegend aufgefallen wären und wo sie denn hin möchte. Tamara dachte nicht viel nach und antwortete auf seine Fragen. Aber als der Mann immer persönlicher wurde, wurde Tamara immer misstrauischer. Deswegen fragte sie höflich und vorsichtig nach seinem Namen, woraufhin die Situation und die Stimmung komplett umschlugen und Tamara sich mit dem Gesicht an der Wand gedrückt, wiederfand .
Sie konnte gar nicht schreien. Sie war viel zu beschäftigt damit, nicht zu hyperventilieren und das Bewusstsein zu verlieren. Ihr schossen hundert Gedanken durch den Kopf, aber keine Lösung um der Situation zu entfliehen. Für gewöhnlich waren zu dieser Uhrzeit immer Menschen in dieser Straße. Aber heute war es hier wie ausgestorben.
Tamara saß auf dem Boden und sah die Silhouette wegrennen. Durch die spärlich beleuchtete Straße, den leichten Nieselregen, der absoluten Stille der Nacht und den Schatten der immer kleiner wurde, hatte diese Szene etwas von einer Gruselgeschichte, vor denen man sich früher so gefürchtet hat.

Der Unterschied ist, dies ist keine Horrorgeschichte aus einem Kinderbuch. Dies ist eine unheimlich schreckliche Geschichte, die tatsächlich jemandem passiert ist, den ich kenne. Ich habe aus Sicherheitsgründen den Namen und einige andere Details geändert.
„Tamara“ hat mich gebeten, darüber zu schreiben, da es zu viele da draußen gibt, die Opfer von Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind.
Allerdings wird selten darüber gesprochen. Zum Einen, weil es tatsächlich gar nicht so einfach ist über ein traumatisches Ereignis zu reden und zum Anderen, weil die Menschen nicht immer so reagieren, wie man es sich wünscht.
Tamara hat die bittere Erfahrung gemacht, dass ihr gar nicht erst geglaubt wurde. Ihr wurde unterstellt, die Tat erfunden zu haben, um einen Grund für den Studienabbruch zu haben.
Jetzt stellt euch mal vor (so gut wie man sich das eben vorstellen kann), ihr werdet von einer fremden Person auf offener Straße vergewaltigt, vertraut das dann euren „Freunden“ an und niemand glaubt euch.

Sie gehört definitiv zu einer der stärksten Frauen die ich jemals kennen lernen durfte. Denn obwohl sie mit so jungen Jahren Opfer einer Vergewaltigung war, lässt sie sich davon nicht einschränken.
Natürlich bleiben nach so einer Tat Folgeschäden, mit denen sie heute noch zu kämpfen hat. Ihre regelmäßigen Flashbacks und die Panikattacken lassen sie die Tat nicht vergessen, aber sie kann mittlerweile deutlich besser mit diesen umgehen, weswegen sie mit dem Wissen von dieser Erfahrung auch anderen Menschen helfen möchte denen so etwas passiert ist.

Wir haben uns für diesen Beitrag entschieden, da zu vielen Menschen Erfahrungen mit sexueller Nötigung haben und sich niemandem anvertrauen können/möchten. Wir möchten euch ans Herz legen, dass es so unglaublich wichtig ist darüber zu reden. Wenn man euch nicht versteht oder nicht verstehen möchte, habe ich eine wundervolle Person an die ihr euch wenden könnt oder wenn ihr über eure Geschichte mit jemandem reden möchtet, dem das Gleiche oder etwas Ähnliches widerfahren ist.
Jede Situation in der ihr euch wertlos, einsam oder schutzlos gefühlt habt, verdient es angesprochen zu werden.

 

Lasst uns aufhören wichtige Themen herunterzuspielen und sie zu ignorieren.
„Lasst uns anfangen aus Mücken Elefanten zu machen. “ – Regina Hixt

 

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